Sonntag, 12. Juli 2015




stellar nursery


siehe noch immer
kann alles geschehen

noch immer ist alles
eine große wolke

aus staub

sterne entspringen
dem unruhigen schlaf

dem traum





Kommentare:

  1. Den Einstieg mag ich sehr. Der Satz wird in die Ernsthaftigkeit einer Weissagung gehoben. "siehe noch immer / kann alles geschehen"
    Das würde ich gern für das Leben, mein Leben glauben. Aber hier gibt es eine natürliche Schranke durch das Alter.

    "eine wolke aus staub"
    Ja, nicke ich, sind wir das nicht alle? Die Sterne. Die Planeten. Die Monde. Wir.

    "sterne entspringen / dem unruhigen schlaf //
    dem traum / jenes einen kindes"

    Die letzte Zeile, ich lese sie als "jenes Christuskindes"?
    Das ist mir fremd.
    Könnte ein weiteres Kind gemeint sein?

    Grüße von der Bess

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  2. Das mit den biblischen Anspielungen stimmt schon, liebe Bess, aber ich hatte es leicht ironisch beabsichtigt, das teilt sich offenbar nicht mit. Ich wollte die Vorstellung des "Christkindes" ein wenig der schieren Enormität des Universums gegenüberstellen und die Aufmerksamkeit eher auf die Verspieltheit jener "Allmacht" lenken, die offenbar unbedingt alle Möglichkeiten durchspielen muß. Da habe ich wohl zu viel gewollt, nächstes Mal muß ich es besser machen. Dankeschön für dein Lesen und deine Worte und liebe Grüße!

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  3. uups, eine falsche Taste hat gerade meinen Kommentar verschluckt. *ärgerlich*
    Ich denke schon, dass das Gedicht genau das aussagt, was du beschreibst. Das Problem liegt eher an mir. An dem Problem, das ich mit Christentum und einer christlichen (biblischen) Schöpfung habe.
    Ich mag den Text, besonders die große Wolke Staub! Und gestatte mir als Leserin, die letzte Zeile abgeändert aufzunehmen (dem traum / eines kindes). Oder sie ganz entfallen zu lassen und mit dem "traum" zu enden.
    Eine Schulfreundin riss seinerzeit in Romanen die Schlussseiten heraus, wenn sie ihr nicht entsprachen. Das fand ich eigentlich hart und unverschämt. Damals. Heute bin ich freier. ;-)

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  4. Nun komme ich endlich dazu, mir über deinen Vorschlag Gedanken zu machen, liebe Bess. Und ich finde, du hast recht, ich lasse die letzte Zeile weg, dann ist das Gedicht offen für was immer man sich zum Thema vorstellt. Vielen Dank für deine Überlegungen und einen lieben Gruß zu dir!

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